Lotario di Segni wurde um die Jahreswende 1160/61 auf dem Kastell Segni in Gavignano (etwa 60 km südöstlich von Rom) als Sohn des Grafen Trasimondo aus dem Hause Conti und der Claricia Scotti geboren. An die schulische Ausbildung im St.-Andreas-Kloster in Rom schlossen sich Studien an der Pariser Universität beim berühmten Theologen Pierre von Corbeil und ein Studium der Rechte in Bologna 1178–1187 an. Auf die Weihe zum Subdiakon durch Papst Gregor VIII. persönlich im November 1187 folgte 1190 der Aufstieg zum Kardinaldiakon von Santi Sergio e Bacco.

Lotario di Segni galt als einer der besten Kirchenrechtler seiner Zeit. Während seiner Zeit als Kardinaldiakon entstanden die Schriften De quadripartita specie nuptiarum, De missarum mysteriis und De miseria conditionis humanae. De miseria conditionis humanae (‚Über den elenden Zustand des Menschen‘), verfasst 1194–1195, enthielt bereits die theoretischen Grundlagen seiner späteren Ausführungen zum Pontifikat („Was Recht ist, was gebührt, was nützt“).

In De miseria conditionis humanae behandelte Lotario die Unvollkommenheit des menschlichen Daseins: „Aus Erde geformt ist der Mensch, empfangen in Schuld und geboren zur Pein. Er handelt schlecht, gleichwohl es ihm verboten ist, er verübt Schändliches, das sich nicht geziemt, und setzt seine Hoffnung auf eitle Dinge [...]. Er endet als Raub der Flammen, als Speise der Würmer, oder er vermodert.“[1] Ausgehend von einer scharfen Ablehnung alles Körperlichen – „aus dir aber kommt nur Schleim, Urin und Kot [...], du hinterläßt abscheulichen Gestank“[2] – und einer Verdammung der menschlichen Seele als sündig und verdorben gelangte Lotario zu einem höchst misanthropischen Menschenbild. Das Werk, das teilweise absätzelang nur aus einer Neuanordnung von Bibelzitaten besteht, postuliert schließlich die ewige Strafe für die Sünde („Die Strafen ändern sich, hören aber nie auf“[3]; „in der Hölle gibt es keine Erlösung“[4]) und betont zugleich den Vorrang des Klerus vor den Laien. Insbesondere die Einordnung des Papstes als dem gewöhnlichen Menschen übergeordnet („Der Papst jedoch ist geringer als Gott, aber größer als der Mensch“) zeugt von großem Bewusstsein der eigenen Bedeutung, sah er sich selbst doch auch als vicarius Christi, als Statthalter Christi auf Erden, nicht mehr nur als Stellvertreter Petri.