Wichtige Personen der Lemmier Geschichte

Cros, du, Joseph Auguste

27.02.1694 - 19./20.9.1719
* bald nach 1640 (gebürtig aus der Guyenne, + Gottorp 8.2.1728 (85 J.)


Er passierte im April 1675 Celle als Gesandter des Herzogs von Kurland. 1685/86 leitete er die Einwanderung der Hugenotten nach Franken und kaufte am 30.12.1687 für 9.000 Taler das Gut Stötteritz, wo er seine Leipziger Glaubensgenossen eine Heimstätte zu bereiten hoffte. Seit 1692 stand er in hannoverschen Diensten, erhielt 1692 in Celle ein Präsent im Wert von ca. 387 Talern und vom hannoverschen Hof vom 1.1.1693 - 1697 incl. 2450 Taler. Kaufte von der Witwe des Vorbesitzers 1694 das Gut Lemmie, Er wirkte in Berlin für Hannover, aber der Sturz des brandenburgischen Premierministers war auch der seinige. Ohne Gewissensbisse ging er als geschmeidiger Diplomat ins gegnerische Lager über, denn am 23.4.1698 wurde er braunschweigischer Staatsrat und Drost von Schöningen.


Verh. I. vor dem 11.2.1697 Clara von Urrye, aus schottischer Adelsfamilie, ihre Mutter war eine "Jachtzem" (Jaxtheim) aus alter fränkischer Adelsfamilie.
Verh. II. 1703 Elisabeth v. Rotzmann, ein hessisches Edelfräulein.

 

Quelle: Wilhelm Beuleke: Die Hugenotten in Niedersachsen, Hildesheim 1960 (herausgegeben vom Historischen Verein für Niedersachsen, Bd. 58), s. 139 (lfd. Nr. 888), Gustav Stölting und Börries Frhr. v. Münchhausen: Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung, Geschichte, Rechtsverhältnisse und 121 Abbildungen. Hannover 1912, S. 93 - 97
Zusammengestellt von Wolfgang W. Ewig, Barsinghausen 2003

Ducros, du Cros

- ein politischer Intrigant und seine Beziehungen zu Lemmie

Beim Durcharbeiten der von Prof. Georg Schnath herausgegebenen Geschichte Hannovers, stößt man auf den Namen ,,Ducros", der aus der brandenburgischen Geschichte zu Zeit des Kurfürsten Friedrich III,, des nachmaligen Königs Friedrich !., kein Unbekannter ist. Dieser große Intrigant hatte zu Lemmie am Gehrdener Berg Beziehungen. Er war einer der eifrigsten Zwischenträger bei dem Konflikt im Welfenhause zwischen Wolfenbüttel und den beiden Fürstentümern Calenberg und Celle, der auf die Verleihung der Kurwürde an Hannover zurückzuführen war. Er hat sich in diesen Jahren gegen Ende des 17. Jahrhunderts geschäftig bemüht, eine Annäherung zwischen Hannover und Wolfenbüttel zustande zubringen. Die Herzöge in Hannover und Celle standen diesen Bemühungen mit Skepsis gegenüber und haben Ducros auch gewarnt, in Wolfenbüttel den Eindruck zu erwecken, dass die Bemühungen um eine Annäherung von Hannover ausgingen; zumal man Ducros für diese Vermittlung nicht als geeignete Person ansah! Wer war nun dieser Ducros und was hatte Lemmie mit ihm zu tun? Nach den Aufzeichnungen Prof. Schnaths hat dieser "abenteuernde Diplomat" auch in den Beziehungen zwischen Hannover und Berlin in dem ausgehenden 17. Jahrhundert eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Joseph Auguste Ducros soll ein entwichener Dominikaner-Mönch aus Frankreich gewesen sein, der zum Calvinismus übertrat. Er war danach im Dienst verschiedener Fürsten Europas und hat 1693 einen mit 500 Talern dotierten Kavaliersposten am hannoverschen Hof erhalten. Von der Witwe des bedeutenden weifischen Politikers Otto Freiherr Grote hat er 1694 das ,,Calenbergische Rittergut Lemmie" erworben, das ihm den spöttischen Beinamen ,,Baron de Lemming" einbrachte. Hannover trennte sich bald von ihm und wir sehen ihn später in den Diensten des Herzogs von Holstein-Gottorp als ,,Resident" in Berlin. Dort schloss er sich eng dem mächtigen Oberpräsidenten Danckelmann an, der in Berlin praktisch als Ministerpräsident fungierte. Er soll dabei in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum beträchtliche Summen eingenommen haben, die er wohl für seine vielseitigen politischen oft undurchsichtigen Manipulationen erhalten hat. Nach dem Urteil seiner Zeitgenossen muss er ein ungemein wendiger Agent gewesen sein, der mit einem guten Gespür für politische Entwicklungen ausgestattet war. Sie waren sich aber auch darüber einig, dass es sich bei Ducros um einen gerissenen Burschen handelt, den sie am liebsten ,,hängen" oder ,,zeitlebens eingesperrt" gesehen hätten, so Johann Georg IV. und der preußische Feldmarschall von Barfus. Hans Adam von Schöning bezeichnete ihn als einen Menschen, der überall Unkraut sät. Nach den Ausführungen des französischen Gesandten am Berliner Hof ist Ducros der ,,größte Betrüger der Welt". Mit dem Sturz des mächtigen Ministers Danckelmann war auch Ducros Schicksal besiegelt. Er floh nach Wolfenbüttel, um in die Dienste Anton Ulrichs zu treten, wo er auch zunächst eine Anstellung fand. Sein Abschied aus Berlin war nach seiner Art von mehreren bösen Streichen begleitet, so unterschlug er u. a. dem Premierminister Danckelmann 1500,- Dukaten, die dieser zuvor als Geschenk abgelehnt hatte. Über seinen weiteren Lebensweg ist nichts bekannt geworden; auch darüber nicht, auf welchem Wege er sich von seinem Besitz in Lemmie getrennt hat.

 

Quellennachweis: Georg ……… Band 2 Buch 3 Kapitel 5/2 Brandenburg Geschichte Hannovers