Gemeinderäte und Ratsarbeit nach 1945 in Lemmie.

 

Der II. Weltkrieg war zu Ende, der Aufbau unseres zerstörten Landes kam langsam voran. Die Siegermächte brachten uns die Demokratie, und somit gründeten sich in den sogenannten „Westzonen", aufgeteilt in Amerikanische, Englische und Französische Besatzungszonen, die demokratischen Parteien, zumeist von Leuten, die schon vor 1933 - also vor Gründung des III. Reiches und Herrschaft der Nationalsozialisten - mehr oder weniger führende Positionen in diesen Gremien gehabt hatten. So auch in Lemmie.



Bürgermeister war bis zum Einmarsch der Amerikaner am 8. April 1945
Heinrich Möller sen., erster Beigeordneter war Heinrich Narten, und der zweite
Beigeordnete Wilhelm Benne. Um Verwechselungen vorzubeugen, möchte ich Heinrich Möller sen. als Heinrich Möller (I.) (*1897) bezeichnen. Mit Schreiben vom 28. September 1945 des Military Government (Regierung) im Landkreis Hannover, unterschrieben von einem Major des 219. Militär Detachement „dass Heinrich Möller I., als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Lemmie beschäftigt wird“. Der Landrat des Landkreises Hannover schreibt am 22. September 1945 an die Militärregierung in Ronnenberg: Betrifft: Entlassung von Beamten und Angestellten: Auf das Schreiben vom 13. September 1945 teile ich hinsichtlich des Heinrich Möller (I.) in Lemmie mit, „dass Möller schon seit
dem 9. Mai 1928 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Lemmie ist.
Er hat seine Dienstpflichten bisher zufriedenstellend erfüllt und ich nehme an,
dass er sie auch weiterhin zu meiner Zufriedenheit ausführen wird. Ungünstige
Bemerkungen über seine Diensttätigkeit sind mir bisher nicht bekannt geworden,
so dass ich solche auch künftig nicht erwarte. Dass er die Dienstgeschäfte
parteiisch wahrgenommen hat, ist mir ebenfalls nicht bekannt geworden, so dass
ich nicht erwarte, dass er künftig bestimmten Bevölkerungskreisen eine
bevorzugte Behandlung zuteil werden lässt. Das er in seinem Amt Nazi - Methoden anwendet, nehme ich nicht an, so dass ich bitte, seiner weiteren Beschäftigung als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Lemmie zuzustimmen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass er seine Dienstobliegenheiten künftig nicht ordnungsmäßig wahrnimmt, werde ich von mir aus einen geeigneten Nachfolger vorschlagen“. Um weiter im Amt als Bürgermeister zu bleiben, musste Heinrich Möller (I.) einen Personalfragebogen ausfüllen und bis zum 20. Juni 1945 an den Landkreis Hannover schicken. Außer den Personalien wurde nach Beruf oder Dienststellung, Wehrverhältnis, öffentliche Ehrenämter, Mitglied der N.S.D.A.P., S.A., S.S., N.S.K.K. und nach Bekleidung anderer Ämter gefragt.

Am 7. Dezember 1945 benachrichtigt der zuständige britische Oberstleutnant des 219. Militär Government, Jackson, dass folgende nachgenannte Herren zu Mitgliedern der Gemeindevertretung der Gemeinde Lemmie ernannt sind:

Heinrich Möller (I.)                 Bauer,

Wilhelm Haberkamp              Pumpenwärter,

Heinrich Narten                      Bauer,

Ernst Bödecker                      Maschinist,

Herbert Schlenkermann         Fuhrunternehmer,

Friedrich Busche                    Hausschlachter,

Friedrich Meier                       Schmied,

Erich Narten                           Bauer,

Walter Becher                        Tischler.

Er schreibt weiter:
Ich erwarte, dass der jetzige Bürgermeister seine Entscheidung trifft, ob er
als Bürgermeister oder als Gemeindedirektor sein Amt weiter ausüben will. Im
letzteren Falle werde ich einen anderen Bürgermeister ernennen. (Alles in
englisch und deutsch geschrieben).

Die erste bekannte Sitzung der Gemeindevertretung fand am 30. März 1946
statt. Gewählt wurden, als Bürgermeister Heinrich Möller (I.) als Protokollführer Herbert Schlenkermann und als Neuling im Rat der Kommunist Georg Liebner.

Punkt 1. der Sitzung war die Wahl des Bürgermeisters. Da die Einwohnerzahl der Gemeinde Lemmie die Fünfhundert überschritten hatte, musste ein Bürgermeister gewählt werden. Zum Bürgermeister wurde Wilhelm Haberkamp gewählt, da ja Heinrich Möller (I.) nur ernannt war. Die Briten führten jetzt in ihrer Besatzungszone in den Kommunen - so wie in Großbritannien gehandhabt - die Doppelspitze ein, den Gemeindedirektor als Verwaltungschef und den Bürgermeister als Vorsitzenden des Rates. Am 30. April 1946 kommt ein erneutes Schreiben des Landkreises Hannover an den Bürgermeister Heinrich Möller (I.) - wieso denn das, am 30. März 1946 war doch Wilhelm Haberkamp zum Bürgermeister gewählt worden. Der Landkreis schrieb: „wie Ihnen kürzlich mitgeteilt worden ist, müssen sie nach einer neuen Anordnung der Militärregierung wegen ihrer Verbindung zur N.S.D.A.P. aus dem Dienst dem Dienst der Gemeindeverwaltung - aus ihrem Amt als Bürgermeister ausscheiden, sofern eine Überprüfung ihres Falles durch den zuständigen Entnazifizierungsausschuß nicht zu einer anderen Entscheidung kommt. Der Antrag auf Überprüfung durch den Entnazifizierungsausschuß ist von Ihnen zu stellen.
Dem Antrage, der in 3-facher Ausfertigung (zwei deutsche Fassungen und eine
englischen Übersetzung) bei mir einzureichen ist, sind Zeugnisse von Nichtmitgliedern der N.S.D.A.P. bzw. von Antifaschisten beizufügen, aus denen
hervorgeht, dass sie sich während ihrer Zugehörigkeit zur N.S.D.A.P. bzw. ihrer
Gliederungen nicht aktiv für die Ziele des Nationalsozialismus eingesetzt haben
und gegebenenfalls inwiefern Ihre Entlassung aus politischen Gründen eine
unbillige Härte bedeuten würde. Eventuell empfiehlt sich auch die Beibringung
einer Stellungnahme der Gemeindevertretung. Außerdem muss dem Antrage nochmals ein Personalfragebogen in zweifacher Ausfertigung nach anliegenden Vordrucken beigefügt sein. Bei Ausfüllung des Fragebogens sind die angehefteten Anweisungen genau zu beachten Falls sie die Absicht haben, einen Antrag auf Überprüfung zu stellen, empfehle ich Ihnen, denselben unverzüglich
einzureichen, weil damit gerechnet werden muss, dass die Militärregierung in
nächster Zeit Ihre sofortige Entlassung verfügen wird, falls der Entnazifizierungsausschuss noch keine Entscheidung getroffen hat. Da die neue
Anordnung der Militärregierung verschiedentlich nicht richtig verstanden worden
ist, nehme ich Veranlassung, Sie darauf hinzuweisen, dass es sich um eine
erneute Überprüfung auf Grund der inzwischen ergangenen Anweisung des Kontrollrates (Verordnung Nr. 24) handelt und die frühere Bestätigung der Militärregierung dadurch hinfällig geworden ist. Das bereits eingereichte Gesuch gebe ich Ihnen hiermit zurück und stelle Ihnen anheim, mir dasselbe nach Vervollständigung unverzüglich wieder vorzulegen.

Vorher, am 20. April 1946 schickte der damalige Bürgermeister Haberkamp folgendes Gutachten an den Landkreis Hannover: „Die Tätigkeit des Herrn Möller (I.) war eine mustergültige. Einen gewissenhafteren Beamten konnten wir uns nicht wünschen. Da ich die Entnazifizierung fördere und deren Tätigkeit billige, würde in diesem Falle eine Absetzung als Gemeindesekretär zu Unrecht geschehen. Obwohl Herr Möller (I.) in der Partei (N.S.D.A.P.) sein musste, war er kein überzeugter Nationalsozialist, und kein Einwohner hat irgendwelche Nachteile hierdurch erlitten. Auf der einen Seite als Arbeiter und Sozialist, auf der anderen Seite als Bürgermeister bitte ich, Herrn Möller (I.) in seinem Amte als
Gemeindesekretär zu belassen“.

Ein besseres Zeugnis konnte Wilhelm Haberkamp Heinrich Möller (I.) nicht ausstellen, aber es kommt noch besser.

 

Am 15. September 1946 waren die
ersten freien Kommunalwahlen nach dem II. Weltkrieg. Die Kandidaten der S.P.D. in Lemmie, vermerkt auf einen Wahlaufruf, waren:

1. Günter Hautau,

2. Ernst Bödecker,

3. Wilhelm Hautau,

4. Heinrich Busche und

5. Wilhelm Haberkamp.

Sie äußerten sich zur
Ernährungsfrage und forderten eine planmäßige Verteilung, planmäßige
Produktion, planmäßige Bodenbearbeitung und eine planmäßige Arbeitslenkung. Ferner die vollberechtigte Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen. Auch die Wohnraumfrage war sehr wichtig, und man forderte für jede Familie ihren eigenen Herd, keinen Wohnraum ungenutzt, und jedem gebührt ein Dach über dem Kopf. Ob die anderen Parteien oder Wählergruppen etwas Ähnliches heraus gebracht haben, entzieht sich meiner Kenntnis, nur durch Zufall ist dieser Wahlaufruf in meinem Besitz.

Die 1. Gemeinderatssitzung nach der Wahl war am 26. September 1946
im Gasthaus Rohde.

Laut Protokoll waren erschienen:

Erstens :
Bürgermeister Wilhelm Haberkamp,

Zweitens :
Gemeindedirektor Heinrich Möller (I.),

Drittens : Die Ratsherren Friedrich Busche, Heinrich Narten, Heinrich Sander, Heinrich Busche, Walter Becher, Günter Hautau, Georg Liebner und Otto Rehren.

Die Tagesordnung lautete:

Erstens: Vereidigung der neuen Ratsmitglieder,

Zweitens: Wahl des Bürgermeisters,

Drittens: Aussprache über den Posten des Gemeindedirektors,

Viertens: Entlastung
des Rechnungsführers und des Gemeindedirektors.

Laut Protokoll unter Punkt drei Aussprache über den Posten des Gemeindedirektors wurde folgendes beschlossen: Acht Stimmen waren für die Beibehaltung des bisherigen Gemeindedirektors Heinrich Möller (I.), während eine Stimme des Kommunisten Georg Liebner dagegen war. Dieser stimmte aus rein persönlichen Gründen dagegen.

Wir bitten Herrn Möller (I.) im Amt zu belassen, da er sich niemals nationalsozialistisch betätigt hat und wir keine geeignete und bessere Person für dieses Amt finden können. Diese Tätigkeit wird nebenberuflich ausgeübt, und die Gemeinde kann für eine hauptamtlich bezahlte Kraft die Kosten nicht aufbringen. Dieses Wahlergebnis drückte die Beliebtheit von Heinrich Möller (I.) quer durch die Parteienlandschaft aus. Nach seiner Wahl als Bürgermeister wurde Wilhelm Haberkamp nach Belehrung über die Bedeutung des Eides am 3. Oktober 1946 in Ronnenberg vereidigt. Es geht aber noch weiter.

Am 24. Oktober 1946 schreibt die Kreisverwaltung an die Militärregierung in Ronnenberg. Betrifft: Entlassung des Gemeindedirektors Heinrich Möller (I.) in Lemmie. Auf Grund ihres Schreibens vom 4. September 1946 habe ich den Genannten mitgeteilt, dass er wegen seiner Verbindung mit der N.S.D.A.P. aus dem öffentlichen Dienst entlassen werden muss. Gleichzeitig habe ich den
Bürgermeister in Lemmie beauftragt, das Weitere zu veranlassen und einen
Beschluss des Rates über die Ernennung eines Nachfolgers herbeizuführen.
Heinrich Möller (I.) will gegen die durch Entscheidung der Sonderabteilung Det.
504 angeordnete Entlassung Berufung einlegen. Ich habe ihn unterrichtet, dass
die Berufung über den Hauptausschuss für Entnazifizierung an den Berufungsausschuss für den Regierungsbezirk Hannover gerichtet werden muss.

Nun geht es weiter über die Besprechung bei der Militärregierung am 17. Dezember 1946. Major Bridgeford teilt mit, dass die Berufung durch den früheren Bürgermeister Möller (I.) gegen seine Klassifizierung als „ M" nicht erst abgewartet werden darf, sondern dass Möller (I.) spätestens bis zum 24. Dezember 1946 zu entlassen ist. In diesem Zusammenhang erklärt Major Bridgeford ausdrücklich, dass „M" Fälle sofort zu entlassen sind. Was nun? Jetzt schreibt der Landkreis Hannover am 30. Dezember 1946 an die Militärregierung:

Die Entlassung des Gemeindedirektors Heinrich Möller (I.) in Lemmie. Unter Bezugnahme auf die Besprechung am 17. Dezember 1946 und Ihr Schreiben vom 18. Dezember 1946, teile ich Ihnen mit, dass der Gemeindedirektor Heinrich Möller (I.) inzwischen aus seinem Amt entlassen worden ist. Der Rat der Gemeinde Lemmie hat nunmehr in seiner Versammlung am 21. Dezember 1946 einstimmig beschlossen, dass der Bürgermeister Haberkamp die Verwaltungsgeschäfte vorläufig mit übernehmen soll. Da die Gemeinde Lemmie nur 545 Einwohner hat, bitte ich dieser Regelung zuzustimmen.

So waren damals die Zeiten mit Entnazifizierungsmaßnahmen und ihren Klassifizierungen von 1 bis 5, in denen von Belasteten und Mitläufern unterschieden wurde. Wie ging es nun weiter?

In einer Sitzung vom 26. Juni 1947 beschlossen der Bürgermeister Haberkamp und die Gemeinderäte über den Schulneubau, die Wasserversorgung und die Neuwahl des Gemeindedirektors zu beraten. Der Bericht war auszugsweise an den Landkreis geschickt unter Punkt 3: Wahl des Gemeindedirektors. Die Wahl des Gemeindedirektors wurde vorgenommen. Es wurden 8 Stimmen für Bauer Möller (I.) abgegeben, eine Stimme war ungültig. Damit war Herr Möller (I.) gewählt. Auf Grund Ihres Schreibens wird gebeten, den wiedergewählten Gemeindedirektor Bauer Möller (I.) Ihrerseits zu bestätigen. Einen Tag darauf schreibt der Landkreis an den Sicherheitsoffizier und bittet - da der Rat der Gemeinde Lemmie Heinrich Möller (I.) wiedergewählt hat - um Mitteilung, ob der Anstellung zugestimmt wird. Nun endlich, am 27. Oktober 1947, bittet der Landkreis Hannover den Regierungspräsidenten, dem Antrag des Rates
der Gemeinde Lemmie stattzugeben und um Entscheidung, Heinrich Möller (I.) als Gemeindedirektor einzusetzen, und führt an: „Möller (I.) ist ohne Zweifel in
charakterlicher und fachlicher Beziehung für das Amt geeignet und bekennt sich
auch uneingeschränkt zur demokratischen Verfassung. Er hat der N.S.D.A.P. seit
dem 1. April 1937 als Mitglied angehört. Eine Kategorisierung ist nach Auskunft des Hauptausschusses für Entnazifizierung bisher nicht erfolgt“.

Nachdem am 18. Oktober 1943 die Lemmier Volksschule durch eine britische Fliegerbombe total zerstört wurde, setzte man alles daran, für die Lemmier Schulkinder, die schon seit Anfang des Krieges die Sorsumer Schule besuchten, eine neue Schule zu errichten. Schon 3 Monate nach Kriegsende, am 27. August 1945, trafen sich die beiden Bürgermeister von Lemmie und Sorsum mit ihren Beiräten in der Gastwirtschaft Haller in Sorsum, um einen fast 100 Jahre alten Wunsch, eine gemeinsame Schule zu bauen, zu beschließen. Die Schule sollte unterhalb des Eisenbahnhaltepunkt Lemmie errichtet werden. In einem Schreiben vom 11. September 1945 regt der Landkreis Hannover an, zunächst die notwendigen Verhandlungen mit dem Besitzer des für den Neubau in Aussicht genommenen Geländes durchzuführen und über das Ergebnis zu berichten. Es dauerte bis zum 31. Mai 1947 bis die Gemeinde Sorsum folgenden Beschluss fasste: Grundsätzlich kann die Gemeinde Sorsum zu dem Antrag der Gemeinde Lemmie keine Stellung nehmen, da bestimmte Vorschläge
nicht gemacht sind. Es soll ein Vertragsantrag in schriftlicher Form
angefordert werden, in dem vor allen Dingen eingehend die Platzfrage, die
Finanzierung und die Materialbeschaffung erörtert wird. Folgender
Gegenvorschlag soll vorgelegt werden: Lemmie erbaut umgehend ein eigenes
Schulhaus, Sorsum richtet einen zweiten Klassenraum her und bemüht sich um den Austausch der Schulwiese mit einem Platz in unmittelbarer Nähe des jetzigen Schulgebäudes. Der Bau eines gemeinsamen Schulgebäudes Lemmie - Sorsum wurde von Sorsum also nicht gewünscht, und die Gemeinde Lemmie war nun bestrebt, eine eigene Schule zu bauen. Dieses wurde umgehend in Angriff genommen, aber dies hier zu erörtern würde zu weit führen und könnte ein eigener Vortrag werden.
Die allgemeinen Verhältnisse normalisierten sich, Lemmie bekam nach dem trockenen Sommer 1947 - in dem im oberen Dorf die Brunnen versiegt waren und kein Wasser mehr führten - eine eigene Wasserleitung, die von Gehrden kommend - das Wasser nach Lemmie
fliesen ließ.

 

Am 28. November 1948 wurde in
Niedersachen gewählt. Es waren die 2. Kommunalwahlen nach dem Krieg, und die
erste Sitzung des neu gewählten Rates fand am 17. Dezember 1948 statt.

Anwesend waren:

Gemeindedirektor Heinrich Möller (I.),

von der S.P.D. die Ratsherren: Wilhelm Haberkamp, Fritz Pörschke, Wilhelm Richter, Wilhelm Hautau, Günter Hautau, Hermann Hutans,

von der Wählergemeinschaft: Heinrich Narten, Marga Narten, Heinrich Sander.

Auf der Tagesordnung
standen folgende Punkte:

Erstens :         Wahl des Bürgermeisters und seines Stellvertreters,

Zweitens:        Anerkennung der Wahl,

Drittens:          Wahl der Ausschüsse,

Viertens:         Beschlussfassung über die Aufnahme einer Anleihe zur Fortsetzung des Baues der Harzwasserleitung.

Wilhelm Haberkamp wurde einstimmig zum Bürgermeister und Fritz Pörschke zu seinem Stellvertreter gewählt.

Ferner wurde beschlossen, zur Fortsetzung der Bauarbeiten an der Wasserleitung eine Anleihe von 14.000,00 DM aufzunehmen.

Nach Erledigung der festgelegten Tagesordnung wurde weiterhin zur Aussprache gestellt: Durch Herrn Hutans als Ostflüchtlingsbetreuer die Notwendigkeiten des Einschreitens des Gemeinderates bei Schwierigkeiten, die sich zwischen Hausbesitzern und Mietern bezüglich des Verschlusses der Hausaußentüren ergeben hätten. Der Rat beschloss, in jedem Falle bei ungerechtfertigten Fällen für Abhilfe zu sorgen. Ferner wird beschlossen, dem Nachtwächter Hermann Nolte alle Nebenarbeiten zu vergüten und eine Weihnachtsgratifikation von 100.00 DM zu gewähren.

Folgende Ausschüsse wurden besetzt: Finanzausschuss, Schulkommission, Bau- und Wegekommission, Wohnungsausschuss, Fürsorgeausschuss.

Man konnte hoffnungsfroh in das neue Jahr 1949 wechseln, doch Gemeindedirektor Möller (I.) war noch immer nicht rehabilitiert. Es dauerte bis zum 11. November 1949 um die „Entnazifizierungsentscheidung im mündlichen Verfahren" zum Abschluss zu bringen. Der Berufungsausschuss für die Entnazifizierung im Regierungsbezirk Hannover unter einem Dr. Grünreich als Vorsitzenden und einem P. Schneider als öffentlichen Kläger verkündete Folgendes: „ Die Entscheidung des Entnazifizierungshauptausschusses des Kreises Hannover - Land v. 20. Januar 1949 wird aufgehoben. Der Betroffene wird als entlastet in die Kategorie V. eingereiht. Die Kosten des Verfahrens von 20.00 DM hat der Betroffene zu zahlen“.
Die Begründung können wir uns sparen. Es wurde festgestellt, dass der
Betroffene über die Zahlung der pflichtgemäßen Mitgliedsbeiträge hinaus den
Nationalsozialismus nicht unterstützt hat. Gemeindedirektor Möller (I.) war
nun, über vier Jahre nach Kriegsende, endgültig rehabilitiert.

Bei der nächsten Ratssitzung am 19. November 1949 ging es um den Antrag des Lemmier Sportvereins, Benutzung der Klassenräume für die Singabende des Singkreises Lemmie der Volkshochschule Wennigsen und Vorbesprechungen über die Verteilung des Wohnraumes in der Schule und Einrichtung einer Schulvogtstelle. Es wurde beschlossen, dass der Singkreis Lemmie seine Singabende im Verlauf des Winters im Anschluss an das Singen der Jungsinggruppe in der Schule durchführen kann und die Möglichkeiten der
Besetzung der Wohnungen im Schulhaus unter Berücksichtigung der Bereithaltung einer genügend großen Wohnung für den Schulvogt.

Die nächste Sitzung fand schon am 16. Dezember 1949 statt und dort ging es unter anderem um die Wahl des stellvertretenden Bürgermeisters, bei der Fritz Pörschke einstimmig gewählt wurde. Das Wohnungsproblem spielte eine große Rolle. Nach der Bautagung der Kreissiedlung G. m. b. H. wurde dem Rat mitgeteilt: „Das auch die Gemeinde Lemmie im Bauprogramm 1950 mit sechs Häusern bedacht ist. Auf Grund der vielen Elendsquartiere im Ort wurde der Antrag gestellt, ob man gewillt sei, das Siedlungswesen im Ort zu fördern. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und die Bau- und Wegekommission beauftragt, für 6 Häuser 2 Morgen Land zu beschaffen.

Interessant ist auch ein Punkt der Ratssitzung vom 6. Dezember 1950. Eine Eingabe der Freiwilligen Feuerwehr Lemmie betreffs Fahrens der Motorspritze bei nachbarlichem Einsatz. Es wurde beschlossen, dass Herr Heinrich Narten als Erster den Schlepper und Herr Heinrich Sander den gummibereiften Anhänger zur Verfügung stellt. Die weitere Reihenfolge soll intern geregelt werden. Nach der Gemeinderatswahl am 9. November 1952 waren folgende Lemmier Bürger in den Rat der Gemeinde Lemmie gewählt:

Von der S.P.D.: Wilhelm Haberkamp und Fritz Pörschke.

Von der F.D.P.: Ludwig Stahl.

Von der Wählergemeinschaft : Heinrich Sander und Ernst Hische.

Vom B.H.E. (Bund der Heimatvertriebenen u. Entrechteten): Hans Theodor Jäger, Richard Stünkel, Max Müller u. Michael Ferenz.

Die konstituierende erste Sitzung nach der Wahl fand am 1. Dezember 1952
statt. Zum Bürgermeister wählte man Wilhelm Haberkamp und sein Stellvertreter
wurde Heinrich Sander.
Unter Punkt 4. der Tagesordnung beschloss man, die Straße von der Milchrampe bis Weber (Bushaltestelle altes Feuerwehrgerätehaus bis Meyer) von der Fa. Rosenberg ausbauen zu lassen. Finanziert werden sollte die Maßnahme durch den Verkauf der Wasserbehälter auf dem Kniggenberg, die man bis jetzt noch nicht benutzt hatte (der Verkauf sollte sich später noch sehr rächen).

In der nächsten Sitzung des Rates vom 7. Januar 1953 wählte man Heinrich Möller (I.) erneut zum Gemeindedirektor - bei Stimmenthaltung der vier Ratsherren vom B.H.E.-Ratsherr Sander beantragte, die Namen der im letzten Krieg gefallenen Lemmier einschließlich der Angehörigen der Evakuierten und Vertriebenen auf zwei Tafeln am Kriegerdenkmal anzubringen.
Der Rat beschloss, diese Mittel durch eine Sammlung in der Gemeinde zusammen zu bringen.

Am 6. März 1953 beschloss der Rat in seiner Sitzung den Ausbau der Straße von der Milchrampe bis Weber zurückzustellen und die Rohrleitung am Kniggenberg zum Kesselhaus auszugraben, um die Rohre zu verkaufen. Da Ratsherr Müller sein Mandat niederlegte, rückte Frau Erika Lührmann in den Rat nach und wurde vom Bürgermeister vereidigt.

In der Sitzung vom 30. November 1953 ging es unter anderem um die Wahl des Bürgermeisters und seines Stellvertreters. Ratsherr Stahl wurde vorgeschlagen und mit der Mehrheit von fünf Stimmen gewählt, zu seinem Stellvertreter mit der gleichen Stimmenzahl wählte man Ratsherr Haberkamp. Der B.H.E. enthielt sich der Stimme.Und wieder stand die Wahl des Bürgermeisters an. Zu Beginn der Ratssitzung am 30. November 1954 gedachte man des verstorbenen Ratsherren Hans Theodor Jäger. Die Wahl des Bürgermeisters muss ziemlich turbulent gewesen sein, denn es wurde zweimal abgestimmt. Vorgeschlagen hatte man die Ratsherren Hische, Haberkamp und Stahl. Die Wahl ergab vier Stimmen für
Herrn Stahl, zwei Stimmen für Herrn Haberkamp und zwei Enthaltungen, also war Herr Stahl gewählt. Das Gleiche galt für Frau Lührmann, die als Stellvertretende Bürgermeisterin vorgeschlagen war. Thema dieser Sitzung war
auch das alte Feuerwehrhaus an der Straße nach Weetzen. Man einigte sich
darauf, es an Motoradfahrer zu vermieten für 2.00 DM pro Monat.

 

Die nächste Gemeinderatswahl fand am 28. Oktober 1956
statt.

Es wurden gewählt: Für die S.P.D.: Wilhelm Haberkamp, Fritz Pörschke, Heinrich Busche und Ernst Paulmann,

für die C.D.U.: Heinrich Sander,

für die D.P.: Hans Heinrich Hische,

für die F.D.P.: Ludwig Stahl,

und für den B.H.E. Max Müller und Gustav Kaats.

Von dieser Wahlperiode sind keine Sitzungsprotokolle vorhanden.

Am 9. Mai 1958 beging Gemeindedirektor Heinrich Möller (I.) sein 30-jähriges Dienstjubiläum. 21 Kreisangestellte waren dazu eingeladen, und man beschloss, Herrn Möller das Buch „Die Landschaften Niedersachsens" zu schenken.

Wie eine Bombe platzte die Nachricht, dass Bürgermeister Ludwig Stahl auf persönlichen Wunsch von seinem Posten als Bürgermeister zurücktrat und auch sein Ratsmandat auf der ersten Sitzung des Rates im Januar 1959 zur Verfügung stellte. Sein Nachfolger im Rat wurde Heinrich Möller jun. (II.) (*1926),
und als Bürgermeister wählten die Ratsherren einstimmig Wilhelm Haberkamp von der S.P.D.

Gemeindedirektor Heinrich Möller (I.) starb am 29. November 1960 im Alter von 63 Jahren. Auf der nächsten Ratssitzung wurde einstimmig beschlossen, dass
Bürgermeister Haberkamp bis zur nächsten Wahl die Geschäfte der Gemeinde
ehrenamtlich leitet.

 

Am 19. März 1961 fanden wieder Kommunalwahlen statt.

Es wurden gewählt: Von der S.P.D.: Fritz Pörschke, Ernst Paulmann, Wilhelm Haberkamp und Hermann Fehlie,

von der Wählergemeinschaft: Ernst-August Nolte und Hans Heinrich Hische,

vom B.H.E. Martin Hermus.

In der 1. Sitzung am 20. April 1961 wählte man Ratsherr Fritz Pörschke zum Bürgermeister und Ratsherr Wilhelm Haberkamp zu seinem Stellvertreter. Wilhelm Haberkamp schied 1963 aus dem Rat aus, da er nach Wennigsen verzog. Für Haberkamp wurde in der Ratssitzung vom 19. Dezember 1963
Walter Becher von der S.P.D. als neues Ratsmitglied verpflichtet. Die
Steuerhebesätze betrugen wie im Vorjahr für die Grundsteuer A., 200% und für
die Gewerbesteuer 275%.

 

Am 27. September 1964 standen erneut Gemeinderatswahlen an. Gewählt wurde in den Lemmier Gemeinderat von der Wählergemeinschaft Heinrich Möller (II.), Hans-Heinrich Hische, Ernst-August Nolte, Fritz Narten, von der S.P.D. Fritz Pörschke, Hermann Fehlie und vom B.H.E. Martin Hermus. Zum Bürgermeister wählte man Heinrich Möller (II.) und zu seinem Stellvertreter Ratsherr Hische. In der Ratsperiode wurden folgende Beschlüsse gefasst: Zur Totenfrau wählte man einstimmig Frau Elisabeth Amsel. In diese Ratsperiode fällt auch der Ausbau und die Verbreiterung der Heimstraße. Den Zuschlag für den Bau der Friedhofsmauer bekam 1966 die Fa. Gevecke und für den Lattenzaun die Fa. Reinhold aus Wennigsen. Da der Fußweg zum Bahnhof sich in einem sehr schlechten Zustand befand, beschloss man, ihn mit einer Bitumendecke zu versehen. Dies waren die wichtigsten Ratsbeschlüsse von 1964 bis 1968.

 

Am 29. September 1968 fanden wieder Gemeinderatswahlen statt.

Es wurden gewählt:

Von der Wählergemeinschaft: Heinrich Möller (II.), Fritz Garben, Fritz Narten, Johann Rottenbücher und Stefan Held,

von der S.P.D.: Fritz Pörschke, Hermann Fehlie,

Zum Bürgermeister und Gemeindedirektor wählte man Heinrich Möller (II.) und als 1. Beigeordneten Fritz Pörschke.

In der Ratssitzung vom 13. März 1970 beschloss der Rat der Gemeinde Lemmie, sich zum 30. September bzw. 31. Dezember 1970 mit der Stadt Gehrden und den Gemeinden Ditterke, Everloh, Lenthe, Leveste, Northen und Redderse zueiner Einheitsgemeinde mit dem Namen „Stadt Gehrden" zusammenzuschließen. Es begann in der Folgezeit in den Zusammenkünften des Rates viel zu bedenken, wir wollten doch unsere Selbständigkeit aufgeben. Der erste Beigeordnete Fritz Pörschke verstarb am 7. Mai 1970 und sein Nachfolger im Rat, Robert Mahlert, wurde schon am 8. Mai 1970 vom Bürgermeister verpflichtet.

In einer Feier am 5. Dezember 1970 im „Landhof“, in den alle ehemaligen in der Gemeinde Lemmie Tätigen eingeladen
waren, nahm man Abschied von der acht Jahrhunderte selbstständigen Gemeinde
Lemmie.