Die Lemmier Schullehrer im Laufe
der Jahrhunderte

 

(Quellen:Ephoralarchiv Ronnenberg, Pfarrarchiv Gehrden, Archiv der Stadt Gehrden, Nieders. Staatsarchiv Hann. 74 No. 272)

 

Die Schulpflicht

Schulordnungen, gesetzlicher Schulzwang, Calenberger Ordnung von 1650 bestimmt, dass die Kindervom 6. bis 12. Lebensjahr die Schule besuchen sollen, doch ist die Entlassung an die Bedingungen geknüpft, dass sie wenigstens deutsche Schrift lesen und den Katechismus mit „Verstand beten“ können.

 

Der erste Lehrer in Lemmie – aktenkundig 1677 in Band 1 der Kirchenbücher der Gemeinde Gehrden – ist Hironimus Davidis. Ob schon ein Schulgebäude bestanden hat oder der Lehrer – wie in anderen Orten – von Bauernhaus zu Bauernhaus auf der Diele unterrichtete ist nicht bekannt. Den Hironimus löste 1716 der Schulmeister Heinrich Wiechmann Plinke ab. Davidis hatte also 37 Jahre den Lemmier Kindern lesen und schreiben beigebracht – was sehr wichtig war – den Katechismus! Plinke wirkte bis zu seinem Tode in Lemmie und starb nach 44 Jahren Schuldienst am 5. Januar 1760 im Alter von 78 Jahren. Nach Plinke folgte 1760 Johann Hermann Nordmeier als Lehrer. Interessant ist ein Verzeichnis aller Emolumente (Einnahmen) des Schuldienstes zu Lemmie für Lehrer Nordmeier. Schulgeld von 20 Kindern für den Winter und Sommer            ca. 24 Groschen

Jährlich                                                               = 13 Taler      12 Groschen

Für Läuten, Glocke schlagen, Uhr stellen                =   2 Taler

Reine Kornfrucht jährlich 13 Himpten                     =   6 Taler      12 Groschen

Gartenland ungefähr 4 Ruten                                 =                   12 Groschen

Für Betstunden und Katechismus lehren

bekam er nichts.                                              
 
                                                                           ___________________

                                   Summe:                                  22 Taler      18 Groschen

 

Wahrlich, ein stolzes Gehalt, zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig.

 

Als Bemerkung steht noch in dem Verzeichnis:

„Die Wohnung (das alte Schulhaus an der Kapelle) ist 1766 abgebrannt und 1767 neu aufgebaut. Es sind darin 2 Stuben. Der zeitige Schulmeister Johann Hermann Nordmeier ist jetzt 75 Jahre und verwaltet diesen Dienst 32 Jahre. Er hat eine Frau und 3 Töchter. Es ist bei ihm das besondere Bedürfnis, dass derselbe nach dem Abbrennen des Hauses mit der Gicht sehr behaftet ist.

Der Dienstertrag in 10 Jahren = 221 Taler und 24 Groschen.

Am 26. Januar 1799 starb Johann Hermann Nordmeier nach 39-jähriger Lehrtätigkeit als Schulmeister in Lemmie mit 82 Jahren.

 

Wie man sieht, mussten die Lehrer damals bis zu ihrem Tode unterrichten, denn erst im Jahre 1800 folgte auf Lehrer Nordmeier der Lehrer Johann Heinrich Othmer. Dieser versah den Schuldienst in Lemmie bis 1810. Othmer hatte schon 27 Kinder in der Schule und 2 Gärten. Dadurch stiegen seine Einnahmen auf 34 Taler und 34 Groschen jährlich.

 

Johann Heinrich Woltmann folgte als Lehrer dem Schulmeister Othmer. Er unterrichtete die Lemmier Kinder von 1810 bis 1818. Sein Tod an Michaelis (29. September) 1818 setzte seiner Laufbahn ein frühes Ende. Von 1819 bis 1826 unterrichtete Johann Heinrich Meyer die Lemmier Kinder. Zu dieser Zeit setzte man auch die Emolumente (Einnahmen) für den Schuldienst in Lemmie neu fest.

 

  1. Wohnhaus: Dessen jährlicher Mietertrag ist zu rechnen auf 9 Taler, davon geht 1/3 zurück, für die Schulstube bleibt                     = 6 Taler
  2. Grundstücke: 
    a) ein kleiner Pflanzgarten beim Hause ist groß 1/4 Morgen, dessen jährlicher
    Mietertrag                                                                              =
    12 Taler, 12 Gr. 
    b) Ein Gemüsegarten außerhalb des Dorfes 1/3 Morgen groß ist jährlich zu
    rechnen auf                                                                             = 2 Taler, 24 Gr.
  3. Feuerung: 
    a) An barem Gelde wird bezahlt für jedes Kind 3 Groschen, 2 Pfennig, beträgt für 27 Kinder
    jährlich                                                          = 2 Taler, 15 Gr., 6 Pfg.
    b) Von der Gemeinde für Betglocken zu schlagen     =
    2 Taler,   8 Gr. 
    c) Als Schullehrer vom Schuldienste für Leichen      
        ungefähr an Gebühren                                                = 1 Taler
  4. An Schulgelde von 27 Kindern aus 23 Häusern 
    a) für den Winter   à Kind 13 Gr. 4 Pfg.                         = 10 Taler, 4 Gr., 4 Pfg. 
    b) für den Sommer à Kind 13 Gr. 4 Pfg.                        =
    10 Taler, 4 Gr., 4 Pfg.
      c) extra ordinairef. d. Schreibunterricht in den
         öffentlichen Schulstunden jährlich
    für jedes Kind, welches schreibt, 13 Gr., 4
    Pfg.
      beträgt für 12 Kinder                                                         =
     4 Taler, 18 Gr.
                                                                                            ____________________
     
      
                                                       Summe:     =                33 Taler, 14 Gr., 6 Pfg.
  5. Naturalien: 
    An Roggen 15 1/3 Himpten                                             =
    11 Taler, 18 Gr.
    1. Für
      Frühpredigten an hohen Festtagen 
      6 Groschen, 3 Pfennig                                                     =               26 Gr., 3 Pfg.
        Für Glockenschmieren 2 Groschen                              =                 2 Gr.
 

Summe
d. jährlichen Dienstertrages u. Wohnung                 = 45 Taler, 25 Gr., 1 Pfg.

                                                                                                          ===================

 

Bemerkungen:

  1. Das Schulhaus ist ziemlich um 1768 gebauet von der Gemeinde auf eigene Kosten.
  2. Es enthält außer der Schulstube noch eine Wohnstube und 3 Kammern.
  3. Ist in der Brandkasse versichert zu 200 Talern.
  4. Zur Verbesserung derselben ist jetzt eben nichts mehr nöthig. Von den Grundstücken
    sind seit 1769 im Jahre 1804 hinzugekommen durch Ausweisung der Gemeinde aus ihrem privatem Eigenthum 1/2 Morgen. Die Artbarmachungs- ,Vermessungs- und Befriedigungskosten erfolgte vom damaligen Schullehrer Othmer aus seinem eigenen Vermögen. Der zeitige Schullehrer namens Johann Heinrich Meyer ist jetzt alt 21 Jahr, verwaltet seinen Dienst 5 Jahr, hat keine Frau. Es ist ihm das besondere Bedürfnis da, daß er, da seine Eltern verstorben sind, im geringsten nicht auf deren Unterstützung hoffen kann, und selbst ohne alles Vermögen ist.
     
  5. Johann Heinrich Meyer wurde Michaelis 1826 nach Egestorf versetzt, und seine Stelle nahm der Lehrer Döbberke ein. Döbberke versah den Schuldienst in Lemmie von 1826 bis 1836. Er unterrichtete schon 36 Kinder, und sein jährliches Einkommen lag bei 58 Talern und 26 Mariengroschen.

Als Bemerkung zu seinen Einkünften wurde noch folgendes mitgeteilt:

  1. Bare Schuleinnahmen sind quartalsmäßig fällig.
  2. Feuerung: Das Holz dafür muß der Lehrer selbst ankaufen, und hat die Gemeinde solches aus Güte bisher angefahren.
  3. Naturalien: Jeder Besitzer einer Reihestelle liefer 2/3 Himpten (31.125 Liter) und ist
    dieses Korn auf Michaelis jeden Jahres fällig.
  4. Accidenzien: Diese kommen für das Geläute bei Sterbefällen. Für das Leichengeläute eines Konfirmierten werden 18 Groschen und für
    Kinder 12 Groschen bezahlt. Schließlich wird bemerkt, daß ein jeder Besitzer einer Reihestelle zur Erleuchtung der Kapelle an den Frühpredigten ein Talglicht liefert.

 

6 Jahre, von 1838 bis 1844, unterrichtete der Schullehrer Rust in Lemmie die Kinder. Von ihm ist bekannt, dass er 1814 geboren wurde. Seine Einnahmen betrugen bei 32 Kindern jährlich 50 Taler, 20 Groschen und 11 Pfennig. Warum er Lemmie verließ, ist nicht bekannt.

 

Auf Lehrer Rust folgte 1844 der Lehrer Heinrich Friedrich Hische, geboren zu Everloh am 17. April 1808. Er besuchte das hannoversche Schullehrer-Seminar, ein Quartal von Michaelis bis Weihnachten 1826 als Properand und 1 Quartal von Johanni (24. Juni) bis Michaelis 1830 als Schullehrer. Seine Laufbahn begann er 1827 als Interimslehrer in Kirchdorf und war dann – bevor er nach Lemmie kam – von 1827 bis 1844 Lehrer in Sorsum. Hische schreibt in „Nachrichten über die Schule Lemmie:“ „Es ist ein altes, sehr baufälliges Gebäude, welches den Bedürfnissen durchaus nicht entspricht. Die Schulstube ist 10 Fuß breit (etwa 3 Meter) und 18 Fuß lang (etwa 5,40 Meter), also 180 Quadratfuß (16,50 Quadratmeter). So mangelt es an Raum zur Aufbewahrung des Futters, so daß Derselbe in verschiedenen Häusern und Scheunen sich Raum zur Aufbewahrung des Futters für eine Kuh hat miethen müssen. Hinlängliche Stallung, ein Badeofen und Brunnen fehlt ebenfalls. Ein Neubau ist durchaus notwendig. Die Schule Lemmie verliert von Tag zu Tag. H.D. Meyer und Köthner Remmers haben in diesem Jahr ihren Besitz an von Heimburg verkauft. Die Verkäufer ziehen fort und die Stellen werden nicht wieder bewohnt. Die Schule verliert 6 fleißige Schulkinder, welches sich auf mein Einkommen niederschlägt. Die Schafweide, welche noch nicht geteilt ist, kann nicht benutzt werden, weil keine Stallung für Schafe vorhanden ist. Nach dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre ist die Zahl der Schulkinder 33. Feuerungsgeld behuf Heizung der Schulstube wird nicht bezahlt. Es werden jährlich 2 Groschen für jedes Kind entrichtet, welches aber für Bemühung des Einsegnens gerechnet wird. Die Schule leidet Mangel an Feuerung und kommt bei jetzigen Holzpreisen behuf Heizung der Schulstube und zum eigenen Gebrauch einschließlich Fuhrlohn auf 18 Reichstaler jährlich.“

Im Januar 1850 wurde Hische krank (er meinte Nervenfieber) und hatte Mühe, einen
Präparanten als Aushilfe zu bekommen, obgleich er sich erbot, ihn zu beköstigen und ein Bett bereit zu halten. Ein Gehalt könne er ihm aber nicht zahlen. Ob er die Aushilfe bekommen hat, ist nicht bekannt. Sehr massiv setzte sich Hische für den Bau eines neuen Schulhauses ein.

 

Er schreibt in seinen Erinnerungen:

„Obgleich nun seit den 9 Jahren meines hierseins durchaus kein Scheuerraum vorhanden ist, indem meine Feldfrüchte oft wochenlang nach der Ernte im Felde stehen bleiben müssen, die Fourage unter freiem Himmel verdarb, und fand sich dann endlich ein kümmerliches Plätzchen, so ging oft noch ein Teil verloren. Ich suchte, dies
Alles zu verschmerzen, weil mir die Hoffnung gemacht wurde, daß bei der in Aussicht stehenden Verkopplung ein passender Bauplatz für ein neues Schulhaus reserviert werden sollte.“

 

Den Kampf um ein neues Schulgebäude hat Hische aufgegeben und Lemmie 1855
verlassen.

 

Der Schullehrer Hefke, welcher aus Lembruch nach Lemmie kam, blieb nur von 1855 bis
1857. Sehr interessant ist der vom Lehrer Hefke abgelegte „Huldigungs-Eid“ wie
er den Dienst-Eiden vorhergeht.

Ihr sollt schwören zu Gott dem Allermächtigen und Allwissenden, daß Ihr dem
Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn GEORG DEM
FÜNFTEN, Könige von Hannover, Königlichen Prinzen von Großbritannien und
Irland, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg c.c. treu, hold und unterthan sein, Allerhöchstdessen und des gesammten Königreichs Wohl nach bestem Wissen und Gewissen befördern, Schaden aber nach bestem Vermögen abwenden wolltet. Daß Ihr aber, wenn Seine Majestät (was Gottes Güte lange verhüten wolle) mit Tode abgehen würde, alsdann seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen und dessen eheleiblichen männlichen Erben nach dem Rechte der Erstgeburt in absteigender Linie, wenn aber deren keine vorhanden, denjenigen Prinzen des Königlichen Hauses, welchen die Erbfolge nach dem Rechte der Erstgeburt zusteht, und deren eheleiblichen Erben in absteigender Linie, und wenn auch deren keine vorhanden, alsdann Seiner Hoheit dem regierenden Herrn Herzoge von der Braunschweig-Wolfenbüttelschen Linie und den successionsfähigen männlichen Leibeserben dieser Linie, und zwar nach dem Rechte der Erstgeburt, alles Obige leisten wollet.“
 

Hefkes Einnahmen lagen bei 91 Reichstalern und 7 Groschen. Die Gemeinde Lemmie
bezahlte jetzt ein garantiertes Schulgeld von 35 Reichstalern jährlich.

 

Von der Volksschule Wennigsen versetzte das Consistorium 1857 den Lehrer Friedrich
Bähre an die Schule zu Lemmie. Bähre legt am 3. Dezember 1857 folgenden
„Diensteid für Volksschullehrer“ ab:

Ihr sollt geloben und schwören einen Eid zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ihr den euch übertragenen und jeden etwa künftig zu übertragenden Schul- (und Kirchen-) Dienst in Gemäßheit der bestehenden kirchlichen und Schulordnungen und der bei eurer Anstellung oder später ordnungsmäßig euch ertheilten Dienstanweisungen getreulich kirchlichen Schul-Ordnungen und der bei eurer Anstellung oder später ordnungsmäßig euch ertheilten Dienst-Anweisungen getreulich und fleißig ausrichten, den Vorgesetzten den schuldigen Gehorsam leisten, euch eines unsträflichen Wandels befleißigen und euch jederzeit so betragen wollt, wie es einem redlichen Kirchen- und Schuldiener wohl ansteht und gebührt. So wahr euch
Gott helfe und sein heiliges Wort.“
 

Bähre hatte das Glück, als erster Lemmier Lehrer in die inzwischen fertig gewordene neue Lemmier Schule einzuziehen. Das Gehalt des Lehrers war etwas aufgebessert und lag nun bei 108 Talern, 28 Groschen, 2 Pfennig. Bähre bittet daher in einem Brief vom 9. Juni 1874 an das Königliche Consistorium in Hannover um eine Beihilfe aus Staatsmitteln. Er schreibt, er sei 63 Jahre und habe bisher noch keine Kapitalien für sein Alter erübrigen können und bittet um eine Nachbewilligung der Beihilfe für 1873, um das Einkommen um 100 Taler zu erhöhen. Bähre hat dann um seine Pensionierung nachgesucht, die ihm auch nach 40-jähriger Tätigkeit als Lehrer am 13. Februar 1875 gewährt wurde. Für jedes Dienstjahr sollte er 5 Reichstaler bekommen, also 200 Taler im Jahr. Von seiner Pensionierung hat Bähre nicht mehr viel gehabt, denn er starb schon am 29. März 1876 in Degersen, wohin er verzogen war. Auf Anfrage von Pastor Baring an die Superintendur in Ronnenberg erwiderte man, „daß dem Lehrer Bähre das Recht, auf dem Schulbegräbnisplatz in Lemmie beerdigt zu werden, auch nach seiner Pensionierung gebührt.“

 

Der wohl bekannteste in der Riege der Lemmier Volksschullehrer war Heinrich Stünkel. Nach Friedrich Bähre in die Lemmier Schulstelle berufen, unterrichtete er die Lemmier Kinder von 1875 bis 1917, also 42 Jahre. Die Diensteinkünfte hatten sich laut Protokoll vom 12. Februar 1883 auf 850 Mark (der Reichstaler war nun von der Mark abgelöst) jährlich verbessert. Als
„Vorbemerkung“ schreibt man:

„Mit der Schulstelle sind die Kirchlichen Dienste verbunden, und zwar 5 Frühgottesdienste an den Festtagen, Nachmittagsgottesdienste an allen Sonn-, Fest-, Buß- und Bettagen, mit Ausnahme der Festtage, an denen Frühgottesdienst gehalten wird und 8 Sonntagen, an denen die Kinder den Nachmittagsgottesdienst in Gehrden besuchen und 5 Fastenandachten.

Im Durchschnitt wurden ihm 42 Kinder garantiert. Auch für die Heizung der
Schulstube bekam er 30 Mark jährlich. Nach einigen Jahren erhöhten sich die
Bezüge, und auch die Zahl der Schulkinder stieg im Jahr 1908 auf 32 Knaben und 30 Mädchen, also 62 Kinder in einer Klasse. Stünkels Diensteinkommen stieg auf 2.740 Mark neben der Dienstwohnung. Er war auch noch Gemeinde-Rechnungsführer und Ortserheber, welches ihm auch noch 200 Mark im Jahr einbrachte.

Er war bekannt als strenger Lehrer, und wenn er sich nicht anders durchsetzen
konnte, bekam die ganze Klasse Hiebe. Manchen Anfeindungen war er ausgesetzt,
so auch in einem Brief von 1898. Man warf ihm vor, in der Gehrdener Kirche
während des Gottesdienstes mit seinen beiden auswärtigen Kollegen durch
Schlafen und Sprechen Anstoß erregt und Gemeindemitglieder in ihrer Andacht
gestört zu haben. Mit dem damaligen Pastor Funke lag er darüber im Streit. Es
scheint sich aber alles wieder eingerenkt zu haben. Eine Episode, die sich 1904
zugetragen hat, verdient es, hier noch erwähnt zu werden. In einem Brief an den
Ortsschulinspektor Pastor Holste schreibt er:

„Der Knabe hat sich stets flegelhaft betragen, ist öfter sehr schmutzig und lügenhaft. Zu Ostern hat er im Betragen eine 4 bekommen. Auch sind Klagen bei mir eingelaufen über Flegeleien, die er außer der Schulzeit verübt haben soll. Unter anderem soll er die elektrische Leitung gestört haben in der Weise, daß er von einem Baume aus einen Draht über die Leitung geworfen hat. Dem Gendarm Nehr, der die Sache zu untersuchen hatte, hat er sich versteckt. Ich lasse nun den eingeforderten Bericht folgen. Am Donnerstag beobachtete ich, daß der K. eine Mütze unter den Füßen hatte und mit denselben fortstieß, biß er sie draußen hatte. Ich ließ ihn zurückrufen, als er aber nicht kam, ging ich ihm nach auf den Hof, schob ihn, da er frech wurde, in unsanfter Weise ins Haus zurück, zog ihn krumm und gab ihm einige über die Lenden mit einem Stock, der etwa halb so dick wie mein kleiner Finger ist. Da der Junge sich nicht krumm machen wollte, kamen meine Finger in Berührung mit seinem Ohr, wobei eine kleine Stippe am Ohr geritzt wurde. Darauf schickte ich ihn ins Schulzimmer zurück. Nach 10 Minuten kam der Vater des Jungen und verlangte, der Junge solle sofort mit ihm nach Haus, er solle hier nicht verhungern. Da ich den Jungen nicht entließ, machte er Skandal und drohte, die Schultür einzuschlagen. Ich verwies ihm das Haus, er ging aber nicht, sondern skandalierte weiter. Nachdem er endlich das Haus verlassen, stieß er noch allerlei Drohungen gegen mich aus. Es stimmt nicht, daß ich den Jungen dreimal mit einem dicken Stock über den Kopf geschlagen habe. Es ist ferner eine freche Lüge, daß der Junge hat 3 Stunden Nachsitzen müssen, eine Stunde ist stets bei mir Höchstmaß des Nachsitzens.“ 

Wie man sieht, war die Jugend damals nicht besser und schlechter als heute, nur die
Lehrer hatten mehr Autorität, um Rüpel in ihre Schranken zu weisen. Stünkel
starb, nachdem er 1917 pensioniert war, am 1. Februar 1919 und liegt auf dem
Lemmier Friedhof begraben.

Als Nachfolger im Lemmier Schuldienst kam Lehrer August Dieckmann. Dieser wurde
durch die Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen und Schulwesen in
Hannover vom 1. Oktober 1917 auf die Lehrstelle an der Evangelisch Lutherischen
Volksschule in Lemmie ernannt. Man schrieb:

„Da Dieckmann sich im
Heeresdienst befindet, wird es bei der zeitigen Versehung des Kirchendienstes
sein Bewenden behalten müssen.“

 

Wer Dieckmann bis zu seiner Entlassung aus dem Heer vertrat ist nicht bekannt. Bis
zu seiner Pensionierung 1932 unterrichtete Lehrer Dieckmann die Lemmier Kinder
und zog dann nach Wennigsen. Sein Nachfolger als Lemmier Lehrer wurde Karl
Garsuch, der vorher in Wülfingen, im damaligen Kreis Springe, unterrichtet
hatte. Garsuch wurde unter Berufung in das Beamtenverhältnis ab 1. Oktober 1932
zum Kantor und Lektor an der Kapelle zu Lemmie ernannt. Das Landeskirchenamt
gab dem Superintendenten in Ronnenberg den Auftrag,

„die Einführung in das kirchliche Amt nicht
vor der Einführung in das Schulamt stattfinden zu lassen.“

Garsuch soll – nach Aussage ehemaliger Schüler – seinen Beruf nicht ernst genug
genommen haben, und die Kinder haben wohl nicht viel bei ihm gelernt. Ein Bild
zeigt ihn, inmitten der Lemmier Kinder, vor der ehemaligen Lemmier Schule.

 

Fritz Krüger wurde als Lehrer sein Nachfolger. Er war sehr populär und hatte mit den Lemmier
Einwohnern guten Kontakt. Seine Schwäche waren der Alkohol und die jungen
Mädchen. Krügers pädagogische Fähigkeiten waren unbestritten, auf Grund dessen
man ihn 1928 als Rektor an die Volksschule in Laatzen berief. Hier endete er
sehr tragisch. In Untersuchungshaft genommen wegen angeblicher Unzucht mit
Abhängigen erhängte sich Krüger im hannoverschen Gefängnis.

 

Als neue Lehrkraft bekamen die Lemmier Kinder Edmund Weyhe. Weyhe, S.A. Mann und
Parteigenosse, unterrichtete in der Lemmier Schule nur ein Jahr und wurde bei
Beginn des 2. Weltkrieges, anfang September 1939 zur Deutschen Wehrmacht eingezogen. Hier brachte er es bis
zum Zahlmeister und starb Ende des Krieges. Seine Familie zog nach der
Zerstörung des Lemmier Schulhauses durch eine Fliegerbombe 1943 zu den Eltern
seiner Frau nach Bierbergen im Kreis Peine.

 

Als Aushilfe griff man auf einen ehemaligen Lehrer und damaligen Gastwirt aus
Kirchdorf, Herrn Henze zurück. Henze hat in Lemmie nur kurze Zeit unterrichtet,
denn im Spätherbst 1939 mussten die Lemmier Kinder den Weg nach Sorsum antreten,
um in die dortige Volksschule zu gehen. Der dortige Lehrer Säger hatte schon
das Pensionsalter erreicht und musste nun über 50 Kinder in einer Klasse lesen
und schreiben beibringen. 10 Jahre – bis 1949 – hat es gedauert, ehe die
Lemmier Kinder eine eigene Schule bekamen und auch das Lehrpersonal.

 

Kunibert Eichler, der im Krieg einen Arm verloren hatte, und den
Untergang der „Wilhelm Gustloff“ überlebte, bekam die 1. Lehrerstelle, und
Walter Lohr, ein Junglehrer und Vertriebener aus dem Sudetenland die 2. Stelle.
Am 1. April 1954 wurde Eichler versetzt und Lehrer Kreusel, der vorher schon in
Sorsum unterrichtet hatte, die 1. Lehrerstelle. Kreusel blieb bis zu seiner
Pensionierung am 1. April 1961 Lehrer in Lemmie und zog anschließend nach
Gehrden. Auch Walter Lohr strebte nach Höherem und wurde Realschullehrer in
Hannover. Lohr ersetzte man durch Frau Gutmutson, die mit einem Isländer verheiratet war. Im April 1961 wurde die
Lehrerin Frau Rust nach Lemmie versetzt. Als letzte Lehrerin in der fast
300-jährigen Geschichte der Lemmier Lehrer und Lehrerinnen war Frau Guldner
tätig. Sie versah den Schuldienst bis zur Auflösung der Lemmier Schule 1967.
Frau Guldner hat ihren Ruhesitz in der Heimstraße genommen und genießt dort
ihren Ruhestand.

 

Die Lemmier Lehrerinnen, Lehrer, Schulmeister und Kantoren von 1677 bis
1967

 

1.)       1677 – 1714             Hironimus Davidis

2.)       1714 – 1760             Heinrich Wiechmann Plinke

3.)       1760 – 1799             Johann Hermann Nordmeier

4.)       1800 – 1810             Lehrer Othmer

5.)       1810 – 1818             Lehrer Woltmann

6.)       1819 – 1826             Lehrer Meyer

7)        1826 – 1838             Lehrer Döbberke

8).       1838 – 1844             Lehrer Rust

9.)       1844 – 1855             Lehrer Hische

10.)     1855 – 1857             Lehrer Hefke

11.)     1857 – 1875             Lehrer Bähre

12.)     1875 – 1917             Lehrer Stünkel

13.)     1917 – 1932             Lehrer Dieckmann

14.)     1932 – 1934             Lehrer Garsuch

15.)     1934 – 1938             Lehrer Krüger

16.)     1938 – 1939             Lehrer Weyhe

17.)     1939 – 1945             Lehrer Säger                        (Sorsum)

18.)     1949 – 1954             Lehrer Eichler

19.)     1949 -                      Lehrer Lohr

20.)     1954 – 1961             Lehrer Kreusel

21.)     1958-                       Lehrerin Gutmutson

22.)     1960 -                      Lehrerin Rust

23.)     1961 – 1967             Lehrerin Guldner