Die Verkoppelung der Lemmier Feldmark





um 1850 



Was ist eigentlich eine Verkoppelung? Viele wissen mit diesem Wort nichts anzufangen, denken vielleicht an Verkupplung. Dieses ist nicht so; das Wort „Verkoppelung“ bedeutet die Aufhebung der Gemengelage der Ländereien, Wiesen, Weiden und Holzungen durch ein Umlegungsverfahren parallel zu den Gemeinheitsteilungen. Die Verkoppelung der Lemmier Feldmark damals war eine völlige Flurneugliederung mit Anlegung neuer Wege, Gräben und drainieren (entwässern) der Felder und des Grünlandes. Die erste Lemmier Zehnt und Landbeschreibung durch den Wennigser Amtmann Richelm geschah im Jahr 1716 im Beisein von den Lemmiern Johann Peter Jungen (Verwalter beim damaligen Besitzer des Freihofes – heutigen Rittergutes Graf du Cory), Dietrich Lockemann, Cordt Narten und Hans Harmen Nolte.

Die Lemmier Feldmark war in fünf Felder (Fünffelderwirtschaft) eingeteilt, die jeweils mit einer Frucht bestellt werden mussten (Flurzwang), ein Brachfeld, ein Winterfeld, ein Sommerfeld, ein Wickenfeld und ein Stoppelfeld. Wenn man bedenkt, dass die Voll- und Halbmeier z. T. über 100 Flurparzellen bewirtschafteten – bei den Köthnern und Beibauern war es im Verhältnis nicht besser – kann man sich vorstellen, dass eine Verkoppelung unbedingt nötig war, um die Bewirtschaftung und Erträge zu verbessern. Dies änderte die Verkoppelung. Es braucht nicht mehr gebracht werden, und die Fünffelderwirtschaft wurde durch eine Fruchtfolge ersetzt, die jeder selbst bestimmte. Festgehalten wurde der gesamte Vorgang in einem Receß (Beschluss), ein amtliches Dokument, um bei Streitigkeiten darauf zurückgreifen zu können. Nachdem die am 21. Juni 1848 von Vollmeier Nolte und Halbmeier Narten zu Lemmie eingebrachte Provocation (Provocanten-Berechtigte) auf Abfindung ihrer Höfe aus der Gemeinheit durch den Beschluss der übrigen Lemmier Interessenten vom 21. Mai 1849 und den nachherigen Beitritt der sonstigen Beteiligten auf durchgreifende Spezialteilung, gleichzeitige Abfindung der Weide von Feldern Wiesen und Holzteilen verbunden mit Verkoppelung der Ackerländereien, Feldgärten und Wiesen der Feldmark des Dorfes Lemmie, Amts Wennigsen mit Ausschluss des Franzburger Kley – Landes und des Noltemeyerschen Lohcamps ausgedehnt worden, auch Königliche Landdrostei mittels Rescripts vom 7. Januar 1850 diese Operationen genehmigt und den Oberamtmann Hagemann zu Wennigsen und Landes-Ökonomie-Comissär Steller in Linden mit Ausführung derselben beauftragt hat. So wird nunmehr, nachdem auf Grund der ergangenen Verhandlungen und Akten die Einteilung beendet, in Gemäßheit des § 113 des Gesetzes vom 30. Juni 1842 über das Verfahren in Gemeinheits-Theilungs- und Verkoppelungs-Sachen durch nachfolgenden – statt Planes – aufgestellten Receß dasjenige beurkundet, was als endliches Ergebnis dieser Theilungssache und der dadurch bewirkten Verhältnisse angesehen werden soll.