Die Wasserversorgung in Lemmie

1918 bis 1976

 

Denmeisten Lemmiern ist nicht bekannt, dass vor 50 Jahren noch etliche Einwohner ihr Wasser aus einem Brunnen mit einer Handpumpe (sogenannter Schwengelpumpe) holen mussten. Dieser Brunnen befindet sich an der Deisterstraße auf dem Fußweg neben dem Grundstück von Helga Drell. Um ihre Wasserversorgung sicherzustellen, beschlossen einige Hausbesitzer, an dieser für sie zentralen Stelle einen Brunnen zu bauen. Zu diesen gehörte Rohde (heute Gerlach), der eine Leitung bis zu seinem Haus legte und mit einer Motorpumpe das Wasser zu sich in das Haus pumpte. Bei den anderen Eignern handelte es sich um Paulmann, Köhne (später W. Meyer), E. Bödecker und Fricke (heute Helga Drell). Es waren aber noch einige andere Hausbesitzer, die auf diesen Brunnen angewiesen waren, z.B. Schmied Fritz Meyer (später Mülder) oder die jeweiligen Bewohner aus dem Landarbeiterhaus von Fritz Garben (auch Augustenburg genannt), ferner noch W. Benne (später K. Lehmann) und Haberkamp (später W. Tomaschefski). Auch W. Hautau an der Deisterstraße hatte an seinem Brunnen draußen eine Winde mit Kette, und daran hing ein Eimer, um das Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen. Die meisten Hausbesitzer in Lemmie förderten ihr Wasser aus eigenen Brunnen mittels einer Elektropumpe. Wie man sieht, war man gehalten, mit dem köstlichen Rohstoff Wasser sparsam umzugehen, weil man bei jedem Wetter, besonders schwierig bei Eis und Schnee, sein Wasser mit dem Eimer holen musste. Der trockene Sommer 1947 führte dazu, dass imoberen Dorf etliche Brunnen versiegten und das Wasser für das Vieh aus Weetzen mit einem Wasserfaß, und das Trinkwasser von Brunnenbesitzern im unteren Dorf geholt werden musste. Dieser Wassernotstand bescherte uns den Anschluss an das Wasserleitungsnetz der Harzwasserwerke. Im Jahr 1948 reiften die Pläne für eine Wasserleitung, die in den Jahren 1949/50 in die Tat umgesetzt wurden. Mit viel Geschick und Umsicht (vielleicht auch mit Schmieren, es war nach dem letzten Krieg noch nicht alles wieder zu bekommen), besorgte man die Rohre für die Wasserleitung. Wo aber Anschließen? Von der Franzburgerstraße in Höhe des Schützenhauses bis ganz um den Gehrdener Berg mussten die Leitungsgräben ausgehoben werden, und zwar von Hand, denn Maschinen oder Bagger waren noch nicht zu bekommen. Wer hat denn nun die Leitungsgräben ausgehoben? Nach einem bestimmten Schlüssel zog man Haus- und Grundbesitzer dazu heran. Jeder hatte eine bestimmte Länge Leitungsgräben auszuheben, entweder griff er selbst zu Schaufel und Spaten, oder er musste sich Leute für diese Arbeit holen und dafür bezahlen. Für die härteste Arbeit, nämlich die Grube für zwei Ausgleichsbehälter (die gebraucht  von der Zuckerfabrik Weetzen gekauft mit einem Fassungsvermögen von fast 100.000 Litern nachher den Namen „Adam und Eva“ erhielten), engagierte man einige ehemalige Bergleute aus Wennigsen. Diese Ausgleichsbehälter lagen am Wege gegenüber den drei Buchen auf dem Kniggenberg. Sie hatten den Zweck, nachts vollzulaufen, um am Tage bei verstärktem Verbrauch des Wassers, den Druck auszugleichen. Da sie einige Jahre nicht gebraucht wurden, grub man sie wieder aus und verkaufte sie. Mit dem Erlös der Behälter schaffte man für unsere Volksschule eine Zentralheizung an. Der Verkauf der Ausgleichsbehälter rächte sich noch. Mit verstärkter Bautätigkeit in Gehrden und Lemmie (Gehrdener Krankenhaus) konnte bei mehr Wasserverbrauch der benötigte Druck nicht mehr gehalten werden, und die Bewohner des oberen Gehrdener Kirchweges und an der Mühle hatten in Spitzenzeiten kein Wasser. Dieser Zustand änderte sich erst, als im März 1976 auf dem Suerserberg im Königsholz der Grundstein für ein zwei Millionen Liter Wasser fassender Hochbehälter gelegt wurde. Der Hochbehälter sorgt dafür, dass in Gehrden und Lemmie auch in Spitzenzeiten die Wasserversorgung gewährleistet ist. Doch sollte niemand vergessen, mit diesem köstlichen Nass sparsam umzugehen!

 

Beitrag von Herman Fehlie, 1978

 

Nachtrag:

Nach Aufzeichnungen von Herrn v. Ditfurth war der Anschluß des Harzwassers auf dem Lemmier Gut am 10. Oktober 1949 um 13:30 Uhr betriebsbereit.