Lemmie

Rittergut

 

Das Castrum


Ausarbeitung von Wilhelm-Hattorf v. Ditfurth , Lemmie



Das Castrum des Meierhofs in Lemmie stand in der Südostecke des heutigen Hofs direkt an der Straße. Diese war damals ein Stück der "Alten Mindischen Heerstraße" nach Hildesheim, eines Verkehrsweges von überregionaler Bedeutung. Durch diese Lage sollen die Bewohner in Kriegszeiten "viel zu leiden" gehabt haben. Ein - 1992 wiedergefundener - unterirdischer Gang diente wahrscheinlich als Fluchtweg und Versteck. Der Sage nach führte er zum Kloster Wennigsen, wo tatsächlich solche Gänge ankommen sollen. Vom alten Gutshaus sind nur Kellergewölbe unter dem heutigen Pferdestall erhalten, Brandschichten zeugen dort von früheren Bränden. Alte Fundamente in der Nähe deuten darauf hin, dass das heutige - wohl um 1830 erbaute - Castrum ebenfalls Vorgänger gehabt haben muß.

Börries v. Hattorf vergrößerte das Gebäude um den Westflügel (Küchenflügel) und baute das Kavalierhaus (jetzt Nordflügel) sowie Wirtschaftsgebäude, nachdem er das Hofgrundstück durch Verlegung der Dorfstraße arrondiert hatte. Sein Enkelsohn, Wilhelm v. Ditfurth, vergrößerte das Castrum nach Norden und schuf den Verbindungsbau mit Tordurchfahrt und Galerie zwischen Hauptgebäude und Kavalierhaus, so dass damit 1920 das heutige Bauvolumen in etwa erreicht war. Dieses Wohngebäude überstand - wenn auch schwer beschädigt - einen Fliegerangriff im Jahre 1943, dem fast alle Wirtschaftsgebäude zum Opfer fielen. Ein Stall und eine Scheune, deren Bruchsteinmauern erhalten waren, konnten 1947/48 wieder errichtet werden. Anderes Ruinengelände wurde später zu Gartenanlagen. Wann und von wem der ursprüngliche Garten, der dem Grundriß nach ein barocker Ziergarten gewesen sein kann, angelegt wurde, ist unbekannt. Die Richtung seiner Hauptachse zeigt dorthin, wo früher das Castrum gestanden haben soll. Mit der Verlegung des Wohnsitzes ging diese Beziehung zum alten Garten verloren, so dass der nun seitab gelegene Teil wohl zum Nutzgarten gemacht wurde, während südlich vom neuen Gutshaus ein Ziergarten entstand.Der Gutsgarten ist im 19. Jahrhundert arrondiert und vergrößert worden. Wilhelm v. Ditfurth erbaute die Gartenmauer mit ihren Aussichtspunkten, Toren und Sitzgelegenheiten. Als Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft trug er zur Bereicherung der vorher schon interessanten Anlage bei. Er pflanzte in die alten Obstanlagen Parkbäume, die heute nach Rodung der meisten Obstbäume den aufgelockerten Bestand bilden. Außerdem legte er die Lindenallee vor dem Hoftor an, die die sonst so kahle Landschaft wesentlich prägt und verschönert. Der heutige Eigentümer kann aufgrund des hohen Lohnniveaus den Garten nicht mehr im früher üblichen Pflegezustand, sondern lediglich extensiv erhalten. Die Leistung seiner Frau Roswitha geb. v. Klaß (geb. 1926), die sich tatkräftig durch persönliche Arbeitskraft für die Pflege des Gartens einsetzt, verdient der besonderen Erwähnung. Auf diese Weise konnte erreicht werden, dass die ursprüngliche Gliederung des Parks noch erkennbar ist. Darüber hinaus wird der Natur viel Raum gegeben. In der Feldmark wurden Feldraine, Büsche und Bäume erhalten und vermehrt. Die bis 1860 auf 149 ha angewachsene Fläche verringerte sich in den 20er und 30er Jahren unseres Jahrhunderts auf etwa die Hälfte. Von den heutigen 76 ha sind 68 ha an drei Landwirte verpachtet, die von ihren eigenen Höfen aus wirtschaften. Fünf Hektar sind zu mäßigem Pachtzins an Sport- und Reitverein sowie Kleingärtner überlassen. 

Die Gebäude-, Hof- und Gartenparzelle umfasst nahezu drei Hektar und steht insgesamt unter Denkmalschutz. Die nicht mehr als Hof benötigten Flächen wurden in eine Parklandschaft verwandelt, in der inzwischen ein schöner jüngerer Baumbestand herangewachsen ist. Die Selbstnutzung großer Gutshäuser ist- wiederum insbesondere aufgrund der exorbitant gestiegenen Lohnkosten - nicht mehr möglich. Der Bauerhaltungsaufwand ist der Lohnexplosion gefolgt. Der wirtschaftlich allein sinnvolle Abriß ist aber wegen der emotionalen Bindungen und der Traditionsverpflichtung des Eigentümers nicht möglich. Das Denkmalschutzgesetz bindet den Eigentümer innerhalb gewisser Grenzen ebenfalls. Es gilt, das Kulturerbe zu erhalten, zu pflegen und für Interessierte sichtbar zu machen. Deshalb wurden nach Auflockerung der Wohnverhältnisse der Nachkriegszeit in Lemmie nach und nach große Wohnungen geschaffen, bei denen viel alte Bausubstanz erhalten werden konnte. Den älteren Südteil des Castrums nutzt der Eigentümer selbst, so dass das ererbte Kulturgut in seinem Zusammenhang, Ortsbezug und in den alten Räumen seinen Platz behielt. Dies ist nach Ansicht des Eigentümers eine wichtige Aufgabe, deren Erfüllung aber auch von vielen Seiten dankbar gewürdigt wird.